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Kurzchronik

Am Anfang nahm unser Verein einen Umweg: Im Jahr 1899 aus der Taufe gehoben, stand bei der neuen Institution weder der Tennis- noch der Hockeysport im Vordergrund, stattdessen wurde der Vorläufer der heutigen Sportanlage am Roseneck als „Berliner Spielplatz-Gesellschaft“ ins Leben gerufen. Die Kinder sollten beschäftigt sein, damit die Erwachsenen in Ruhe ihre Gespräche führen konnten.

Der eigene sportliche Tatendrang der Eltern prägte den Verein allerdings zusehends: Aus zunächst drei Tennisplätzen wurden bald sechs und schließlich neun. Gespielt wurde auf Lehmboden, und Umkleidekabinen lagen in weiter Ferne. Auch von einer Restauration konnten die Mitglieder anfangs nur träumen. Erst Ende des Jahres 1901, mit Bezug des neuen Domizils an der Barbarossastraße, dass der Verein sich mit Rot-Weiß und dem Akademischen Sport-Club teilte, erhielt das Vereinsleben eine handfeste Adresse. Man legte einige weitere Tenniscourts an und verfügte auch über eine Tenniswand und einen großen Rasenplatz. 1906 jedoch fand die Spielfreude von Groß und Klein mit der Auflösung der „Berliner Spielplatz-Gesellschaft“ in der gewohnten Form ein abruptes Ende. Die drei Clubs gingen fortan getrennte Wege.

Blau-Weiss kehrte Schöneberg den Rücken und zog nach einem Intermezzo am Kurfürstendamm schließlich nach Berlin-Halensee, wählte die Gründungsmitglieder Ernst Zehrmann, Carl Lange und Otto Griebel als ersten Vorstand und erhielt als „Lawn-Tennis-Club 1899“ im Folgejahr seinen Eintrag im Vereinsregister. Allerdings mussten die Mitglieder an der neuen Adresse – Paulsborner Straße – erneut auf Duschbereiche und Gastronomie verzichten. Dass dies dem ambitionierten Sport keineswegs abträglich war, zeigte sich jedoch deutlich: In den folgenden 17 Jahren kam im Tennis nicht nur ein Erfolg zum nächsten, sondern der Club richtete auch selbst Turniere aus.

Ein Höhepunkt dieser Ära war im Jahr 1921 der erste Platz beim Medenpokal, der damals inoffiziellen Vereinsmeisterschaft des DTB. 1926 schließlich kaufte der Verein das Gelände am Wildpfad. Die Anlage in der Waldmeisterstraße wurde von den Berliner Architekten Paul Karchow und Georg Demmler errichtet und steht heute unter Denkmalschutz.

Es war nicht etwa eine gewöhnliche Tennisanlage, die unser Verein damals baute. Im Gegenteil! Die Naturtribünen unseres Centre-Courts fassten im Eröffnungsjahr 1926 rund 6.000 Zuschauer – mehr als bei irgendeinem anderen europäischen Tennisverein zu jener Zeit.
Vom 09. bis 13.06.1927 fand hier das Viertelfinale der „International Lawn Tennis Challenge“ statt. Obwohl das Deutsche Reich gegen die Südafrikanische Union 1:4 unterlag, ging das Ereignis dennoch als großer Erfolg in die Geschichtsbücher ein.
Von 1929 an war die Anlage zudem Austragungsort von Schultenniswettkämpfen.

Als Clubhaus diente anfangs ein Provisorium, das sich an der Stelle der heutigen Damengarderobe befand. Zwei Jahre später nahm man sich der Sache jedoch gründlich an und errichtete das Gebäude mit der weitläufigen Terrasse, wie es sich auch heute präsentiert. Es zählt dank seines weiten Dachüberstands zu den bedeutendsten Sportbauten der 1920er-Jahre und wurde anlässlich der Hundertjahrfeier des Vereins wieder errichtet. Doch auch in gesellschaftlicher Hinsicht machte Blau-Weiss von sich reden: Die Ballabende im Hotel Esplanade läuteten einige Jahre in Folge die Berliner Ballsaison ein und waren ebenso wie die Kostümfeste jeden Februar der Presse stets ausführliche Berichte wert.

Leider machten die politischen Wirren und Missstände der Nazizeit auch vor Blau-Weiss nicht halt. Hatte hier 1936 anlässlich der Olympischen Spiele noch ein offizielles Treffen stattgefunden, konnte man den Betrieb in den Folgejahren nicht aufrechterhalten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dann zwang das allgemeine Vereinsverbot der Alliierten den Club zu einem Umzug. Zwar fand sich mit Tennisplätzen an der Mecklenburgischen Straße, die der Verein pachten konnte, ein neues Zuhause – doch das nützte bald auch nicht mehr viel, denn aufgrund der Ost-West-Blockade mangelte es zunehmend an Tennisbällen.

Großes Aufatmen im Februar 1949: Blau-Weiss durfte zurück an den Wildpfad! Es dauerte drei weitere Lenze, bis das Clubhaus erneut feierlich eröffnet wurde und den Mitgliedern wieder adäquate Räumlichkeiten für ihre Skat-, Bridge- und Schachrunden, Stammtische und Plauderstunden bot. Und auch die begehrten Grillabende und Tanzveranstaltungen wie der Rosentee hatten nun wieder eine festen Adresse.

Nun soll jedoch nicht der Eindruck entstehen, bei Blau-Weiss wäre es in den Nachkriegsjahren allein um Gesellschaftstanz, Kartenspiel und Grillvergnügen gegangen. Mitnichten! Zwar boten die Leistungen im Tennissport wenig Grund zum Jubel, doch das neu gebildete Blau-Weiss-Fußballteam konnte zahlreiche Tore auf seinem Konto verbuchen. Und vor allem die im Jahr 1932 gegründete Hockeyabteilung machte dem Club alle Ehre.

Der damalige Clubdirekter förderte die Kombination von Tennis und Hockey gezielt. Das zeigte sich nicht nur im Erwachsenenbereich – spielstarke Mannschaften vor allem bei den Damen fuhren zahlreiche Siege ein –, sondern es ließen sich auch viele Jugendliche für den Hockeysport begeistern. Einige von ihnen sind dem Club sogar bis heute treu und spielen inzwischen in der Ü60-Nationalmannschaft der Herren.

In den 1960er-Jahren nahm der Verein Neuerungen für den Tennisbereich in Angriff. Hatten bis dato zwei Traglufthallen den Spielbetrieb in der Wintersaison ermöglicht, beschloss die Mitgliederversammlung nun den Bau einer festen Tennishalle, die 1971 fertiggestellt wurde. Sportlich ging es unterdessen hoch her: Dem Fed-Cup 1967 folgten (zwei Jahre darauf) Siege der Damen- und Herrenmannschaften bei den Berliner Vereinsmeisterschaften, von 1972 bis 1974 spielten die ersten Herren in der Bundesliga, und zum Jubiläum des 75-jährigen Bestehens richtete Blau-Weiss auf der Anlage am Roseneck die deutschen Meisterschaften aus. In diese Phase fielen zudem die Fertigstellung der Jugendplätze, der Beschluss über die Beheizung des 1933 gebauten Schwimmbads und die Entscheidung, Clubhaus und Anlage nach und nach zu modernisieren.

Dass nicht nur in den Sport, sondern auch in das „Ambiente“ investiert wurde, löste ein weitreichendes Echo aus: 1986 kürte die „Welt am Sonntag“ Blau-Weiss als einen der zehn schönsten Tennisclubs der Welt. Das war Ansporn für mehr, und so begann 1993 der Umbau des Schwimmbadareals, das um Sauna und Gymnastikraum erweitert wurde. Die Gästegarderobe und die Sanierung des kleinen Meisterschaftsplatzes standen 2003 an. Der Kunstrasenplatz auf dem Hockeygelände wurde 2001 fertiggestellt, das Hockeyclubhaus 2005. Für das Jahr darauf steht in den Vereinsgeschichtsbüchern ausnahmsweise weder Tennis noch Hockey, sondern Fußball im Vordergrund, denn für die deutsche Nationalmannschaft wurde zur Weltmeisterschaft in unserer Tennishalle ein Fitnesszentrum eingerichtet.

Dank der Balance sportlicher und gesellschaftlicher Aktivitäten hat sich Blau-Weiss einen Platz unter den schönsten Vereinen rund um den Globus sichern können und international zudem viel Anerkennung für spielerische Erfolge erworben. Der Club gehört der weltweiten „Association of Centenary Tennis Clubs“ an und ist Mitglied der „Leading Tennis Clubs of Germany“.

Im Sommer 2019 ist Blau-Weiss umfangreich auf Bundesliganiveau vertreten. Drei Tennis- und zwei Hockeymannschaften spielen in den höchsten deutschen Spielklassen, zahlreiche weitere Teams zudem in der Ost- oder Regionalliga. Zugleich zieht es immer mehr Kinder und Jugendliche auf das Gelände am Roseneck. Gute Vorzeichen für die kommenden 120 Jahre!